Interview mit Corinna Mauron

„Die Flüchtlinge sollen lernen davonzufliegen wie Vögel und selbständig ein Leben zu führen.“

Photo by Florence Gross

Photo by Florence Gross

Corinna Mauron hat sich schon früh für das Thema Migration interessiert und Afrika hat sie schon immer angezogen. Die Arbeit mit anderen Kulturen fasziniert sie. Die Sensleroberländerin arbeitet bei der ORS Service AG, welche sich Kanton Freiburg um die Betreuung und Unterbringung der Asylsuchenden und vorläufig aufgenommenen Ausländern kümmert. Sie hat sich nach ihrer Lehre zur Restaurations-fachfrau entschlossen zu einer Ausbildung als Migrationsfachfrau. Jetzt absolviert sie eine Weiterbildung zur Erwachsenenbildnerin. Die 30- Jährige arbeitet im Zentrum für Asylsuchende in Düdingen als Betreuerin und hilft den Asylsuchenden unsere Sitten und Bräuche zu verstehen und erlernen. Daneben betreut sie acht Familien beim Projekt „Wagen wir Gastfreundschaft“.

Mauron erlebt den Kontakt mit den Flüchtlingen als sehr positiv. „Die Flüchtlinge sind sehr offen und sehr hilfsbereit. Ich kann bei irgendeiner Türe anklopfen gehen und weiß, dass ich ein Kaffee bekomme und willkommen bin“, sagt sie.

Umgang mit Flüchtlingen
Beim Umgang mit Flüchtlingen ist für Corinna Mauron wichtig, dass man mit Neugierde auf die Person zugeht und Geduld hat. Man sollte sich klare Grenzen setzen und die Rolle erklären. Für Mauron ist es essentiell, den Flüchtlingen Zeit zu geben, körperlich und mental hier anzukommen. „Es gibt viele, die zu viel erreichen wollen in kurzer Zeit. Die Flüchtlinge brauchen aber Zeit, die Sprache zu lernen, sich auszubilden und soziokulturelle Unterschiede zu inkorporieren. „Das kann schon ein paar Jahre dauern“, sagt die junge Senslerin.

Association Hiwot
Mit ihrem Lebenspartner Tewodros Solomon hat sie 2015 den Verein Hiwot gegründet, für den sie einen großen Teil ihrer Freizeit aufbringt. In einer der Amtssprache der Eritreer heißt Hiwot soviel wie Leben. „Es geht darum, dass die Flüchtlinge lernen davonzufliegen wie Vögel und selbständig ein Leben zu führen“, sagt Mauron. Wichtig ist es für das Paar, die Integration der Eritreer und anderer Flüchtlinge zu verbessern. Sie versuchen die Flüchtlinge in das freiburgische kulturelle Leben zu integrieren und sie zu lenken in den existierenden Angeboten. Der Verein wurde anlässlich einer Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz gegründet. Das Projekt ermittelt freiwillige Helfer, die regelmäßig zur Familie gehen und eine Beziehung aufbauen mit Hausaufgabenhilfe und Animation. „Das Vertrauen in die Freiwilligen ist sehr schnell da, viel schneller als ich gedacht hätte“, sagt die junge Freiburgerin. Mauron platziert einige Freiwillige vom Jugendrotenkreuz in Familien, die wegen Sprachbarrieren, Verständigungs-problemen oder mangelndem Vertrauen nicht selber beim Roten Kreuz vorbeigehen können, wenn sie Hilfe brauchen. Es gibt viele Familien, die Unterstützung brauchen. Mauron unterstützt zudem Jugendliche in der Integrationsschule bei Praktikums- und Lehrstellen-suche.

Text: Magdalena Waeber