Interview mit Tewodros Solomon

„Hier fühlte ich mich anders und die Leute zeigten, dass ich anders bin.“

Photo by Florence Gross

Photo by Florence Gross

Tewodros Solomon stammt aus Äthiopien und Eritrea und ist in Äthiopien aufgewachsen. Am 11.11.1998 ist er in der Schweiz angekommen. „Es war ein sehr kalter Tag, das werde ich nicht vergessen“, sagt er. Er lebt nun seit 18 Jahren in der Schweiz und ist seit 2011 mit seiner Lebenspartnerin Corinna Mauron zusammen. Der 36-Jährige arbeitet seit sieben Jahren bei Richemond in Villars-sur-Glâne.

Solomon hat seine Heimat wegen politischen Problemen in Äthiopien und Eritrea verlassen. Er hatte das Glück, dass er ohne Probleme in die Schweiz kommen konnte, da seine Mutter zu jener Zeit bereits in der Schweiz lebte. Am Anfang lebte er bei seiner Mutter und seinem Schweizer Stiefvater. Er hat nicht denselben Weg durchgemacht wie die jetzigen Flüchtlinge, aber der Grund für die Flucht bleibt derselbe.

Die Ankunft in der Schweiz war für den Eritreer sehr schwierig. Alles war anders: nicht derselbe Lebensstil, nicht dieselbe Erziehung, ein anderes Klima und unterschiedliche Wertvorstellungen. Er hatte am Anfang große Schwierigkeiten sich anzupassen und sich akzeptieren zu lassen. Die Sprache war das Schwierigste. Der 36-Jährige sprach bei seiner Ankunft in der Schweiz Äthiopisch, Eritreisch und Englisch.

Dann besuchte er Französischkurse in der Schweiz. Sein Stiefvater unterstützte ihn, indem er ihm diese organisierte. Tewodros Solomon ist dankbar, dass er jemanden hatte, der ihn bei seiner Ankunft begleitet und unterstützt hat. „Schon so war es schwierig, unvorstellbar wie es für Flüchtlinge ist, die keine Bezugsperson haben“, so Solomon.

Sehr zeitaufwändig war es, eine Arbeit zu finden, selbständig zu werden und sich in das professionelle Leben zu integrieren, da es viel Konkurrenz gab. Solomon machte verschiedene kleine Arbeiten links und rechts und blieb nicht lange im selben Beruf, da ihm die Erfahrung und die Sprache fehlte.

Zum ersten Mal erlebte Tewodros Solomon Rassismus. „Hier fühlte ich mich anders und die Leute zeigten, dass ist anders bin“. Am Anfang zeigten zum Glück nicht alle eine negative Einstellung, aber es kam vor, dass man ihn abschätzend ansah. „Das brauchte mir sehr viel Energie und ich nahm es immer persönlich. Es war schwierig, das zu akzeptieren“, sagt er. Es kommt noch heute vor, aber jetzt hat der Eritreer sein Leben, seine Familie und Arbeit und nimmt es nicht mehr persönlich. Er ist gut integriert in Freiburg, fühlt sich als Schweizer und ist Schweizer .

Tewodros Solomon will jetzt den anderen Flüchtlingen helfen, gewisse Hindernisse und Schwierigkeiten zu vermeiden, die er erlebt hat.

Umgang mit Flüchtlingen
Beim Umgang mit Flüchtlingen ist für Tewodros Solomon wichtig, ihnen die Möglichkeit geben zu diskutieren und sie kennenzulernen. Es gibt viele Eritreer im Sensebezirk, die gemeinnützige Arbeit so wie Kontakte suchen. Es wäre auch sehr wichtig, wenn wir Sensler mit ihnen reden und von uns aus Kontakte schaffen.

Association Hiwot
Mit seiner Lebenspartnerin Corinna Mauron hat er 2015 den Verein Hiwot gegründet. In einer der Amtssprache der Eritreer heißt Hiwot soviel wie Leben. Es geht darum, dass die Flüchtlinge lernen „davonzufliegen wie Vögel“ und selbständig ein Leben zu führen. Tewodros Solomon fühlte sich verpflichtet den Flüchtlingen zu helfen.

Wichtig ist es für das Paar, die Integration der Eritreer und anderer Flüchtlinge zu verbessern. Sie versuchen die Flüchtlinge in das freiburgische kulturelle Leben zu integrieren und sie zu lenken in den existierenden Angeboten. Der Verein wurde anlässlich einer

Zusammenarbeit mit dem Jugendrotkreuz gegründet. Das Projekt ermittelt freiwillige Helfer, die regelmäßig zur Familie gehen und eine Beziehung aufbauen mit Hausaufgabenhilfe und Animation. Das Vertrauen in die Freiwilligen ist sehr schnell da. Mauron platziert einige Freiwillige vom Jugendrotenkreuz in Familien, die wegen Sprachbarrieren, Verständigungsproblemen oder mangelndem Vertrauen nicht selber beim Roten Kreuz vorbeigehen können, wenn sie Hilfe brauchen. Es gibt viele Familien, die Unterstützung brauchen.

Solomon hilft vor allem bei Übersetzungen, Formularausfülle, Briefeschreiben etc. Bereits bevor es den Verein Hiwot gab, kamen viele zu ihm und baten ihn bei Übersetzungen zu helfen. Die Flüchtlinge gehen wegen dem Vertrauen zu Solomon und Mauron. So können die beiden dann auf freundschaftlicher und familiärer Basis agieren und helfen.

Solomon und Mauron kreieren verschiedene Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und arbeiten mit anderen Institutionen zusammen. Sie haben ein großes Netzwerk an Flüchtlingen aufgebaut und der Verein Hiwot hat viele Ressourcen. So wird das Netzwerk mit anderen Institutionen verlinkt, um gemeinsame Projekte zu realisieren.

Text: Magdalena Waeber